Im Auftrag des Immunsystems unterwegs – die Darmflora


Die Darmflora: Unerlässlich für das Immunsystem (© JPC-PROD / Fotolia)
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Der Darm: häufig unterschätzt, aber extrem wichtig!

Mit bis zu 7,5 Metern Länge und – würde man alle Zotten und Verästelungen ausbreiten – einer Fläche von etwa 32 Quadratmetern ist der Darm das größte Organ des Menschen.  Ein wichtiger Teil des Darms ist die Darmflora, also die Gesamtheit der mehr als 400 verschiedenen Bakterienarten, die in der Darmwand, insbesondere des Dickdarms, leben. Insgesamt machen die vielen Billionen Bewohner, die ein komplexes Ökosystem bilden, beim erwachsenen Menschen etwa 1,5 bis 2 Kilogramm aus.

Zu den wichtigsten Bakterien des Darmes gehören Lactobacillen und Bifidusbakterien. Diese produzieren unter anderem Milchsäure und helfen so, den pH-Wert im Dickdarm sauer zu halten. Auf diese Weise bilden sie eine erste Barriere für Eindringlinge und erschweren es ihnen, sich im Darm zu vermehren und auszubreiten. Die Bakterien der Darmflora sind wahre Alleskönner und unter anderem für eine intakte Darmfunktion unerlässlich, da sie  unverdaute Nahrungsbestandteile durch Fäulnis- und Gärungsprozesse weiter abbauen. Zugleich sind sie daran beteiligt, die Vitamine K und B12 herzustellen. Außerdem verbessern sie die Aufnahme von Mineralstoffen aus dem Darm. Die nützlichen Darmbakterien fördern darüber hinaus die Durchblutung der Darmschleimhaut sowie die Mobilität des Darmes und können so einer Verstopfung vorbeugen.

Die Darmflora: Unerlässlich für das Immunsystem

Rund 80 Prozent aller Zellen der körpereigenen menschlichen Abwehr sind im Magen-Darm-Trakt angesiedelt. Die Darmflora – neuerdings auch als Mikrobiota oder Mikrobiom bezeichnet – spielt eine entscheidende Rolle bei der Reifung und Prägung der Immunzellen. Die Darmflora ist dabei eine Art „Trainingspartner“ für das Immunsystem,  das zwischen „guten“ und „schlechten“ Bakterien unterscheiden lernt. Krankmachende Bakterien müssen natürlich weiter bekämpft werden.

Eine weitere Aufgabe in der Immunabwehr übernehmen die Bakterien auf direktere Art. Sie besiedeln wie eine Art lebender Schutzwall die Darmschleimhaut, so dass Krankheitserreger kaum mehr Platz und Nahrung finden, um sich auszubreiten.

Störungen der Darmflora

Verschiedene Einflüsse können zu einer Beeinträchtigung der Darmflora führen, indem sie das Gleichgewicht zu Gunsten der schädlichen Bakterien verlagern. Hierzu gehören beispielsweise Infektionskrankheiten, Verdauungsstörungen, eine unausgewogene, ballaststoffarme Ernährung sowie hoher Alkoholkonsum. Ebenso stellen manchmal auch ungewohnte und exotische Speisen eine Herausforderung für das Darm-Ökosystem dar. Seelischer und körperlicher Stress ist ebenfalls eine Ursache einer gestörten Darmflora. So fährt der Körper beispielsweise die Darmtätigkeit herunter, um bei psychischen Belastungen Energie zu sparen.

Insbesondere eine Antibiotikaeinnahme kann die Darmflora in Mitleidenschaft ziehen. Das Problem: Die Mittel können nicht unterscheiden, ob ein Bakterium gefährlich ist oder nicht. Daher bekämpfen sie auch die natürlicherweise im Darm vorkommenden nützlichen Bakterienarten. Andere Bakterien, wie z.B. aufgenommene Krankheitserreger, können diese Lücke nutzen und sich ansiedeln – und so die Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen. Für das gesunde Gleichgewicht der Darmflora sind unter anderem regelmäßige Bewegung, Entspannung, ausreichend Schlaf und natürlich die richtige Ernährung unerlässlich. Vor allem Ballaststoffe aus vollwertigem Getreide und Gemüse sind wichtig.

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